NEW GROUND

Installation von Frank Pieperhoff


Der alte Boden wird mit Beton überdeckt und mit diesem auch die Geschichte. So findet sich im Boden Geschichte und Zukunft.

Die Arbeit „NEW GROUND“ bildet exemplarisch das Innenleben für einen neuen Boden nach.
Kurz bevor der Beton gegossen wird, wird der Prozess gestoppt. Zur Stabilisierung benötigt der Boden eine Armierung aus Stahl. Diese muss vorher verlegt werden. Sie wird dann unsichtbar in den Beton eingegossen. Wichtig ist vor allem, dass der Boden stabil genug ist und die Betonmasse nicht einstürzt. Der Beton kann prinzipiell auf alles gegossen werden.
Der Moment vor dem Gießen bietet eine Transparenz. Denn der Beton muss ungehindert die Armierung umfließen können, um dann alles perfekt abzudecken.
Das ist ein faszinierender Zusammenhang: Der alles überdeckende und einbindende Beton gewinnt erst durch eine transparente Konstruktion mit leitendem Stahl seine Qualität.

Die Installation „NEW GROUND“ konstituiert sich aus leichten Stahlgittern. Einzelne Drähte sind durchgeschnitten und entweder nach unten oder nach oben gebogen. Die Drähte, die nach unten gebogen sind, nehmen Kontakt mit dem alten Boden auf. Die nach oben gebogenen Drähte werden nach dem Guss aus dem Beton herausragen. Sie sind Verbindungselemente, die die Frage nach einer spezifischen Nutzung thematisieren. Die alltägliche Arbeit, einen Boden zu gießen, wird in diesem Moment ein Bildnis elementarer menschlicher Handlung: Die Verknüpfungspunkte zur Geschichte werden gesucht, die dann mit potenziellen Neuanfängen vernetzt und verbunden sind.
Die innere Vernetzung durch den miteinander verflochtenen Stahldraht und die markierten Verknüpfungspunkte sind zugleich auch an sich ein Gleichnis für gesellschaftliche – menschliche Realitäten. Sowohl bei dem einzelnen Menschen, wie auch Gesamtgesellschaftlich müssen die elementaren Fragen nach Wertbestimmung, Werterhalt und Neuorientierung gestellt werden, wenn der alte Boden verdeckt wird und ein neuer Boden, neue Perspektiven schaffen soll.
Diese zeigen sich letztendlich erst, wenn der Beton das Gitter eingebunden hat. Noch besteht die letzte Möglichkeit des Zweifels und Einhalts, denn noch steht der alte Boden zur Verfügung. Es ist eine Art „Zwischenzustand“, der mit künstlerischen Mitteln zur Anschauung gebracht werden kann.

Eine volle Euro-Palette mit Beton für den Bodenbau mit aufgestapelten Säcken, sollte sich in der Nähe des Stahl-Gitters befinden.

Frank Pieperhoff, 2006

 

zurück zu Installationen