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I
Was können Grundlagen von Gegenwartskunst sein?
Wie ist das Studium strukturiert?
Was passiert, wenn ich das Studium beginne?
Wie sehen die Prüfungen aus, wann ist das Studium abgeschlossen?
Was sind die Zulassungsvoraussetzungen?
Was für weitergehende Kursangebote finden statt?
Welche Kunstformen werden unterstützt?
Warum Gegenwartskunst, wenn doch noch klassische Grundlagen vermittelt werden?
Was können Grundlagen von Gegenwartskunst sein?
Eine künstlerische Lehre, die gleichzeitig Freiheit und Substanz vermittelt
– diese Frage beschäftigt den Berliner Künstler Frank Pieperhoff
schon seit 20 Jahren. Seine aus der eigenen Praxis gewonnenen Kernthesen lauten:
Kunst ohne Lehre gibt es nicht. Grundlagenlehre und Studium sind identisch,
denn Kunst kann sich nur aus einer Grundlage heraus entwickeln.
Das entscheidende Kriterium hierbei ist das Finden der richtigen
Grundlagen. Damit sind Grundlagen gemeint, die sich einerseits mit der historisch
gewachsenen Identität verbinden und andererseits zu einem individuellen
Weg führen, mit absoluter Material- und Formenfreiheit.
Wie ist das Studium strukturiert?
Das Studium der Kunst unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Studien. Der wichtigste Prozess innerhalb dieser Ausbildung ist das Entwickeln individueller Strukturen, die nachhaltig den künstlerischen Arbeitsprozess tragen. Grundlegendes wie Aktzeichnen, Zeichnen überhaupt, Kompositionslehre, Farbenlehre, Materialkunde usw. werden in der Ausbildung tief greifend und vielseitig beleuchtet und untersucht – wenn das den Interessen der Studierenden entgegenkommt. Von daher gibt es auch keinen starren Plan, denn selbst in der Grundlagenausbildung muss bereits intensiv auf die individuellen Vorlieben eingegangen werden. Aus diesem Grund ist das Erstgespräch so wichtig – es bildet die Voraussetzung zum Studium im KUNSTGUT, da vorher geklärt werden muss, ob sich die Interessenlagen der zukünftigen Student/-innen und die Konzeption der KUNSTGUT-Lehre ausreichend überschneiden.

Aktzeichnen
Was passiert, wenn ich das Studium beginne?
Sie beginnen sofort mit der Arbeit. Sind die ersten Arbeiten da, hat die Ausbildung bereits begonnen. Anfänger/-innen bekommen klar definierte Aufgaben. Die Ergebnisse Ihrer Arbeit bilden den Leitfaden Ihres individuellen Ausbildungsweges. Die Entwicklung der Aufgabenstellung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Das Ausprobieren, Vertiefen und Erweitern ihrer Themen hat zum Ziel, dass sie „Ihr“ Thema finden. Dieses Finden ist ein lebendiger Prozess, der sich stetig erneuert – und ein Leben lang andauern kann. Also: Anfänger/-innen wie Profis beginnen im gewissen Sinn mit absolut gleichen Voraussetzungen. Ziel der Ausbildung ist es, ein Wissen über diese Prozesse zu erlangen und Vertrauen in sie aufzubauen. Das bedeutet: bestimmte Schritte, mit denen Sie sich bereits auskennen, können zu einem Ergebnis führen, welches Sie noch nicht kennen. Wer noch ganz am Anfang steht, wird Stück für Stück bei diesem Prozess begleitet.
Wie bereits aus der vorherigen Frage ersichtlich, sind sowohl die Prozesse wie auch die Zielsetzungen extrem individuell.
A Grundlagen
Nach ca. 3 Monaten reift eine Idee davon, wie sich ein Weg zu einer bildnerischen
Darstellung öffnet.
Nach ca. 6 Monaten entstehen erste Arbeiten, in denen sich bereits individuelle
Themen ankündigen.
Ausnahmen sind hier allerdings die Regel.
B Studium
Die Entwicklung zu einem „reifen“ künstlerischen Arbeitsprozess
hängt vom Entwicklungsstand der Person ab.
Bringt eine Person weitreichende künstlerische Erfahrungen mit (als Autor/-in,
Tänzer/-in usw.), wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit bereits
innerhalb eines Jahres dieses Wissen auch auf die Bildende Kunst anwenden
können. Ein weiteres Jahr kann zur Materialsicherheit und Themenvertiefung
bereits genügen, um Bewusstsein über die eigene Arbeit und deren
innewohnende spezifische Qualität zu erlangen.
Finden diese künstlerischen Entwicklungsprozesse innerhalb der Ausbildung
statt, ist eine mehrjährige Ausbildungszeit erforderlich. Die Student/-innen
werden darin unterstützt, sich in den vielfältigsten Weisen auszuprobieren
– und lernen auch mit den unterschiedlichen Sicht- und Bewertungsweisen
umzugehen.
Ich habe bereits Kunst studiert, bin aber unzufrieden mit meiner Entwicklung. Was kann mir die Zeit im KUNSTGUT bringen?
Bereits ein intensives Jahr im KUNSTGUT bewirkt eine tief greifende Neustrukturierung oder Neuaufnahme der bisherigen Arbeit. Die nachhaltige Herausbildung der eigenen künstlerischen Identität ist auch hier das Ziel. Die monatlichen Gastgespräche mit Künstlern und Ausstellungsmachern, aber auch internationale Kontakte zu anderen Projekten zeigen neue Perspektiven und liefern konkrete Kontakte. Die ideale Ateliersituation bietet hervorragende Arbeitsbedingungen mit maximaler Entfaltungsmöglichkeit unabhängig vom Medium. Das flexible Konzept des KUNSTGUT ermöglicht das Durchführen von Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Neben der inhaltlichen und räumlichen Qualität gibt es also eine große Handlungsfreiheit für Aktionen, Performances, spontane Präsentationen usw.
Ich bin Anfänger/-in und möchte aber konsequent in die Kunst einsteigen, obwohl ich bisher nur sehr wenig Erfahrung habe. Ist da ein Einstieg im KUNSTGUT möglich?
Das Studium im Gemeinschaftsatelier bietet auch und gerade für Anfänger
einen hervorragenden Einstieg. Sowohl von den inhaltlichen, räumlichen
und zeitlichen Gegebenheiten werden Sie voll ausgelastet sein. Entwickelt
Ihre Arbeit sich zügig und sie benötigen mehr Raum für sich,
dann käme ein fester Arbeitsplatz für Sie in Betracht – dann
sind Sie allerdings auch kein/-e Anfänger/-in mehr.
Wie sehen die Prüfungen aus, wann ist das Studium abgeschlossen?
Die Ausbildung konstituiert sich, wie bereits beschrieben, aus individuellen
Zielsetzungen. Das gilt insbesondere für die Frage, was die Person mit
der Kunst weiterhin machen möchte. Diese Frage konkretisiert sich nach
und nach – im Laufe des Entwicklungsprozesses. Es sind die Fragen: Bin
ich ein/-e Künstler/-in? Bin ich ein/-e Berufskünstler/-in? Kristallisiert
sich der Wunsch heraus, aus der eigenen kreativen Tätigkeit eine Profession
zu machen, dann nimmt die Präsentation nach außen einen immer größeren
Raum ein. Nach und nach wird das KUNSTGUT dann Partner für Ausstellungskooperationen,
Textveröffentlichungen, Katalogproduktion usw., je nachdem, welche Form
und welches Ziel angestrebt werden. Sind also die inneren künstlerischen
Kernfragestellungen umrissen und die Studierenden wissen, wie er/sie seine
Kunst auf unterschiedlichen Wegen und Ebenen nach außen tragen kann,
dann ist eine weitere Ausbildung nicht mehr nötig. Vergleichende und
bewertende Prüfungen sind hier fehl am Platz.
Nach Beendigung der Ausbildung verfügt der/die KUNSTGUT-Student/-in neben
dem Abschlusszeugnis über sinnvolle Dokumentationen (Ausstellungsbeteiligungen,
evtl. Soloausstellungen, Aktionen etc.), die insgesamt hervorragend als Referenz
dienen können.
Was sind die Zulassungsvoraussetzungen?
In einem Gespräch wird zunächst geklärt, ob die Zielsetzungen
von Student/-in und KUNSTGUT miteinander kombinierbar sind.
Die Ausbildung im Gemeinschaftsatelier ist sowohl für Anfänger als
auch für Fortgeschrittene geeignet.
Für die festen Arbeitsplätze wird eine vorangegangene künstlerische
Ausbildung, mehrjährige autodidaktische Erfahrung oder mindestens eine
halbjährige Grundlagenausbildung im Gemeinschaftsatelier im KUNSTGUT
vorausgesetzt.

Materialkunde Malerei
Was für weitergehende Kursangebote finden statt?
Im KUNSTGUT finden regelmäßige und unregelmäßige Kurse und Workshops statt. Die regelmäßigen Workshops beziehen sich auf für die Ausbildung notwendige Bausteine – vor allem Materialkunde und Aktzeichnen. Das Aktzeichnen ist auch für Gäste offen und ist eine gute Gelegenheit, das KUNSTGUT kennen zu lernen. Daneben geben ausgewählte Künstler Intensiv-Workshops. Die Studenten haben Einfluss darauf, ob z. B. ein Workshop fortgesetzt oder ausgeweitet wird.
Welche Kunstformen werden unterstützt?
Die Kernkonzeption des KUNSTGUT lässt sich kurz beschreiben: Es ist
der Versuch, eine lebendige Gegenwartskunst zu kreieren, basierend auf der
biografisch gewachsenen Identität des Einzelnen Das beinhaltet eine gleichzeitige
und gleichwertige Offenheit für „vergangene“ Kunstformen
und neue Kunstformen. Was letztendlich zählt, ist die Authentizität
– ein komplexer, weitreichender Begriff. Insofern kann ein „klassisches“
Gemälde gegenwärtiger und zeitgenössischer sein als eine forcierte
multimediale Installation. Andersherum ist es möglich, dass eine multimediale
Installation entschieden mehr historisch gewachsene Werte in sich tragen kann
als eine eigentlich substanzlose Malerei, die sich klassischer Werte bedient,
ohne etwas dazu zu tun.
Das bedeutet: Die Kunstform als Kriterium und Wert an sich ist ohne Bedeutung,
oder anders ausgedrückt: Jede Kunstform findet im KUNSTGUT volle Unterstützung,
soweit der Arbeitsprozess authentisch bleibt – Umwege und Sackgassen
gehören dazu.
Warum Gegenwartskunst, wenn doch noch klassische Grundlagen vermittelt werden?
Die Grundlage der Lehre basiert auf der Intention, Dinge miteinander zu verbinden. Insofern ist die Grundlagenlehre im KUNSTGUT keine „klassische“ Grundlagenlehre (was allgemein als „unfrei“ verstanden wird). Das historisch gewachsene Material der Kunstgeschichte wird als erweiterte Identität, nämlich die kulturelle Identität betrachtet. Von daher liefert die Kunst der „Vergangenheit“ eine große Menge an Substanz, die auch heute noch einen enormen Nährwert hat. Diese Substanz kann ein sinnvoller Wegbereiter sein auf der Suche nach der Beschaffenheit der eigenen Kunst.
Ich möchte lernen, „richtig“, d. h. „realistisch“ zu malen, mit allem, was dazu gehört, denn ich wünsche mir wirklich fundierte Grundlagen, auf die ich dann aufbauen kann. Kann ich das im KUNSTGUT lernen?
Es ist zu klären, was genau darunter verstanden wird. Wenn damit eine illustrative Malweise gemeint ist, die tolle Effekte erzeugt, und diese Effekte auch das sind, worauf es ankommt, dann handelt es sich weder um gute Malerei noch um eine Grundlage. Ansonsten gibt es unzählige Varianten realistisch zu malen. Auch für die realistische Malerei gilt, was für andere Kunstformen gilt: Sie muss im individuellen Prozess erarbeitet werden. Fragen bezüglich der Materialtechnik und unterschiedlicher Herangehensweisen an eine Zeichnung bis hin zur Schichtmalerei werden kompetent diskutiert und gefördert.
Frank Pieperhoff arbeitet zur Zeit an einem Buchprojekt zu dem Thema der künstlerischen Ausbildung - ein wunderbar skurriles Sujet für einen Roman.