Frank Pieperhoff - kommentierte Werke 3

Mensch

seit 2005
Öl/Eitempera auf Leinwand


Diese Reihe verdichtet die Intuitiven Konstruktionen der „weißen Reihe“ bis hin zu einem driekten gestischen Farbauftrag. Auch hier befinden und entwickeln sich die Figuren in und aus einer Flächenkomposition, die ich vibrirende Räumlichkeit nenne. Es sind die direkten Vorläufer der grosse Reihe „human sounds“, faktisch sind eben diese Bilder der Auslöser. Diese Form der Malerei ist in jedem Schritt intuitiv und das Ergebnis ist auch kein starres Bild. Es geht weder um eine konkrete Bildidee aber auch  nicht um eine abstrakte Malerei, es geht hier um eine subjektive, körperliche Erscheinung deren Bild sich kontinuierlich entwickelt. Ich nöchte einen stark enegetischen Körper erschaffen, der im Raum lebt. Die Energie ist jedoch nicht nur in dem Subjekt, sie kommt auch von außen.

Figur im Raum, weiße Serie

seit 2000
Öl/Eitempare auf Leinwand

Fast sieben Jahre lang beschäftigte ich mich ausschließlich mit der Steinnildhauerei. Es gab einen Bruch in meinem privaten Leben, aber auch mit der Arbeit selbst kam ich ins Stocken. Ich war nicht imstande die Reihe „human room“ fortzusetzen.
Die Versuche meiner mißlungen Malerei zwischen 1994 bis 2000 überrmalte ich immer wieder, bis ich plötzlich eine neue Konzeption fand, die für mich sinnvoll ist. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Stein, war auch eine mit der einzelnen Figur, welche einem gegenüber steht. Möglicherweise musste ich eben genau diese Art zu sehen auf die Bilder übertragen. So sind bei dem Stein das direkte Wirken der Formen und Volumen für mich vorrangig. Aus der Kraft dieser Elemente heraus bildhauerte ich meine figurative Skulpturen. In der Malerei fand ich hierfür jetzt eine Entsprechung. Ich baute aus Linien eine figurative Kontruktion. In diese versuche ich durch Überlagereung und Transformation eine innere Spannung zu geben. Diese Spannung entfaltet sich dann in einer vibrirenden Räumlichkeit. Das war die definitive Wiederaufnahme der Malerei.

Steinbildhauerei

seit 1993
unterschiedliche Steine

Im Jahre Frühjahr 1993 wurde ich eingeladen für zwei Monate landg in Simbabwe zu bildhauern und das Land kennen zu lernen. Dort entstand in den 70er Jahren die Shona Bildhauerei, deren maßgeblicher Begründer der Farmer Tom Bloomfield war. Er selbst wechselte von Farmerleben zum Künstlerleben und vor allem: Er motivierte seine Arbeiter auch mit der Steinbildhauerei zu beginnen und unterstützte sie dabei. Der ausschließlich in Simbabwe vorkommende weiche Serpentin Stein machte das möglich.So entstand das Bildhauerdorf Tengenenge in dem ich dann mehrere Wochen lebte und mit dem Stein arbeite.
Die Steinbildhauerei sollte für 7 Jahre lang meine künstlerische Arbeit bestimmen, obwohl mir auch irgendwo klar war, die Malerei nicht aufgeben zu können. Die malerische Entwicklung führte mich allerdings schon zu dieser Überlegung: mit der Vision der vibrierenden Räumlichkeit enstand eine Art kontrapunktisches Kompositionsprinzip. Die Figurengruppe bildete eine r autonome Komposition welche sich dann mit einer autonomen Flächen verzahnt. Die Figuren stehen hier bereits wie Plastiken im Raum und verbinden oder Überbrücken Flächen, Zonen oder auch Bereiche. Die Figuren waren in der Malerei also bereits wie Skulpturen gebaut.  Ich wußten bereits genau, wie ich mit Figuren umzugehen habe und die energitischen kompakt und auch komplexen Figurenkompositionen flossen nur so aus mir hinaus.
Dabei entdeckte ich eine Art des Steinbildhauerns, die ich sonst nicht kenne. Es ist ein direktes Arbieten, es ist der expresivve Schlag, welche Spur, die in den Stein das Volumen formt, die der Arbiet die Kraft geben und denOberflächencharakter bestimmen.
Volumen mit maximaler Energie und Oberflächen in denen sich die Spuren der des Bldhauereisens wie die Gesten des Pinsels eingebrand werden faszierenten und faszienieren mich. Meine Steinbildhauerei hatte 1993 ihr Geburtsjahr und ist jetzt einer meiner Arbeitsfelder.

human room

seit 1992
Öl/Eitempera auf Leinwand, ca. 150 x 200 cm bis 167 x 243 cm

In dieser Reihe entwickelte ich die für mich bis heute maßgebenden Kriterien. Die vorangegangene Subjektivierung des Raumes steigerte ich hier durch die Aufhebung der Ecksituation. Der Raum wird aus reinen Flächen gebildet, die gewissermaßen eine autonome Komposition bilden. Diese Flächen stehen mit anderen Flächen im Wechselspiel  entweder weiter vorn oder weiter hinten. Die Flächen illustrieren also nicht einen Raum (oder eben eine Raumecke) sondern schaffen in ihrem vibrierenden Bezugssystem eine eigene vibrierende Räumlichkeit. Zudem verkörpern die einzelnen Raumflächen unterschiedliche Stufen der „Subjektivierung“. Die Idee, das Subjektive und Wesenhafte der Figur fließt auch in die Flächen hinein wird durch die Unterschiedlichkeit von Dichte, Spannung und Konzentration der einzelnen Flächen gesteigert. Zu der vibrierenden Räumlichkeit kommt also noch eine vibrierende inhaltliche Dichte hinzu. Es ist ähnlich wie bei den Figuren, die durch die unterschiedliche Stufen der Realitätsdarstellung für mich die zeitliche und psychologische Dimension verstärken.
Die Figuren werden in dieser Form praktisch vollständig vom Raum getrennt und bilden eine eigene autonome Komposition. Es gibt jedoch notwendige Punkte der Berührung, Verzahnung und auch Verschmelzung. Ich bezeichne die Kompositionsform als „kontrapunktisch“.
Mit dieser Form verlasse ich die Intimität des Zimmers.  Der Raum wird gewissermaßen konkret, losgelöst von eine bildhaften Darstellung. Gleichzeitig ist er nicht neutral, sondern im Gegenteil: im Zusammenspiel mit den Figuren versuche ich ihn im höchsten Maß zu intensivieren. In ihm steht also auch das Nicht-dargestellte geschrieben, die Geschichte eines Ortes, die vielschichtigen Spuren einer Vergangenheit.
Möglicherweise klingt das etwas theoretisch, was jedoch überhaupt nicht der Fall ist. In dieser Form kann ich mit maximaler Freiheit spannungsvolle Bildsituationen schaffen und so lange umwandeln bis sämtliche Elemente eine für mich funktionierende Relation zueinander haben. Der Anspruch besteht darin, diese vielschichtigen Punkte zu einer bildlichen Einheit zu bringen. Es kam vor, dass ich an einer eher unauffälligen Fläche wochenlang gearbeitet habe, bis ich die gewünschte räumliche Vibration fand. Alles muss stimmen: Die Konstruktion der einzelnen Figur, der Übergang von der Zeichnung zur Malerei, der Farbaufbau in Figur und Flächen, die Relationen der Figuren und Flächen zu einander. Diese formalen Kriterien sind mir allerdings stets Mittel zum Zweck. Mein einziges Ziel ist es eine spannungsvolle menschliche Situation zu schaffen, in der ich mich finden kann – mit all den Geheimnissen, Problemen und nicht verbalisierbaren Emotionen. Wobei es nicht nur um das Bild geht sondern auch um den Klang, der wie in der Musik im Gedächtnis bleibt.
Das Finden dieser Formen war ein jahrelanger Sog. Es ist eine tiefe und rein praktische Analyse. Die Reihe der großformatigen „human rooms“ zeigt das Maß der höchsten Komplexität. Ich denke  nicht nur meiner Malerei, sondern von Malerei überhaupt. Ich kenne keine Form, die moderne und zeitgenössische Formen und auch Materialien derart komplex und anspruchsvoll mit der großen klassischen Kunst verbindet, wie ich es hier versucht habe - und kontinuierlich versuche.

Von 1994 bis 2000 konnte ich keine Bilder mehr malen und war nicht in der Lage, die eigenen hohen formalen Ansprüche zu erfüllen. Diese komplexe Form beengte mich, ich konnte die einzelnen Elemente nicht mehr mit Leben füllen. Erst jetzt – mehr als 20 Jahre später – sehe ich diese Form als eigene Gattung, eine Gattung unter mehreren, welche meine Kunst begründen. Die Qualität und die Perspektive dieser Form ist in mir energetisch präsent. Es kann sehr gut sein, dass ich die „human rooms“  in  Zukunft fortsetze.
Mit der Steinbildhauerei konnte ich mich 1993 von dem selbst auferlegten Zwang dieser komplexen Kunst befreien. Es setzte die bis jetzt andauernde Entwicklung ein, in der ich meine alten Themen in neuen, „einfacheren“ Formen wieder aufgreifen konnte und neue Themen fand. Meine Malerei besteht inzwischen aus unterschiedlichen Gattungen oder Genres. Und diese Genres basieren auf diesen in der Praxis entwickelten Bildformen, deren Vokabular sich in den „human rooms“ manifestierte.

Zimmer

seit 1991, ca. 150 x 200 cm
Acryl auf Papier
Die Reihe „Zimmer“ war die direkte Fortsetzung der Ölbilder von 90/91. Aus finanziellen Gründen konnte ich in dieser Zeit nur auf Papier malen. Ich malte und zeichnete mit Kohle, Kreide und Acrylfarbe auf Papier, welches ich ohne Grundierung direkt an die Wand tackerte.
Hier war es mein Ziel den starren Raum der vorangegangenen Bilder aufzubrechen. Die Frage war, wie ich die Flächen der Räume male. Die Entdeckung der zeitlichen und psychologischen Spannung  von Figuren, welche kompositorisch aufeinander bezogen und unterschiedlich weit ausgearbeitet sind, ließ mich los. Ich sah die Möglichkeit eine eher skizzenhaft angelegte Figur durch die umgebenden Fläche zu subjektivieren. Die psychologische Substanz muss also vielleicht gar nicht in der Figur selbst sein, sondern kann auch durch die Flächen vermittelt oder entwickelt werden. So versuchte ich gewissermaßen das Innere der Figur in die Flächen hinein fließen zu lassen. So entstand die Idee des subjektiven, psychologischen Raumes. Als Figuren dienten mir konstruierte Akte und Figuren mit historischem Bezug. Zusätzlich fügte ich einfache Objekte in den Raum ein, insbesondere Glas mit Wein, Flasche, Teller, aber auch anderes.

Figuren im Raum

seit 1990/91
Öl/Eitempera auf Leinwand, ca. 150 x 120 cm

Mit dem dargestellten Bild fand ich ein Figur – Raum Szenerie, die mir sehr gefiel. Gerade durch die Distanz der einzelnen Figuren bei gleichzeitiger kompositionaler Bezogenheit empfinde ich eine  besondere psychologische Spannung. Die Zimmerecke als  Raumvorgabe war eine gute Arbeitsgrundlage. Es stand zunächst die Frage im Raum welche Figurationen und welche Objekte werden das Bildgeschehen bestimmen. Hier hatte ich mir einiges durch mein bisheriges Studiums zur Verfügung:  kunsthistorisches Material und Material aus eigenen, künstlerischen Arbeitsgruppen. Diese versuchte ich nun in diese Kompositionsform zu integrieren.
Das Bild der krauchenden Figur verbindet diese Arbeiten. Diese Figur gefiel mir, weil sie diesen besonders starken Bodenbezug hat und besonders stabil im Bild steht.
Natürlich erinnert es auch an einen angeschlagenen Menschen, der mit seiner Konzentration ganz bei sich ist. Dieses bei sich sein schafft für mein Empfinden gerade durch einen kompositorischen Bezug ein spannungsvolles Zusammenspiel mit einer anderen Person, gerade weil keine direkte Kommunikation stattfindet.